Daten & Fakten


Es gibt einen deutlichen Trend zu mehr Unterrichtsstunden.

Über alle Schulformen und Jahrgangsstufen hinweg ist die Zahl der Wochenpflichtstunden1 im Laufe der letzten Jahre angestiegen. An den Haupt- und Realschulen wurde die Anzahl der Wochenpflicht- stunden in jeder Jahrgangsstufe um eine bis zwei  Stunden erhöht. An den Gymnasien sind diese im Vergleich von damaligem G9 und aktuellem G8 sogar um zwei bis drei Stunden (in den Stufen 6 bis 9) bzw. um vier bis sechs Stunden (in der Oberstufe) gestiegen.2 Denn eine Voraussetzung für das Abitur ist gleich geblieben – auch nach der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit: Nämlich 265 Mindestwochen- stunden Unterricht, in nun nur noch acht Schuljahren.

*Mindestzahl an Unterrichtsstunden (45 Minuten) pro Woche.
**Vergleich der Stundentafeln der Schuljahre 2005/06 und 2013/14 in NRW. (Quelle: Kultusministerkonferenz)

Schule ist ein Vollzeitjob

Kinder und Jugendliche in Deutschland geben an, dass sie durchschnittlich mehr als 38,5 Stunden pro Woche für die Schule arbeiten. In den Klassen 9 bis 13 steigt die Beanspruchung durch die Schule auf bis zu 45 Zeitstunden. Entsprechend weniger Zeit bleibt den SchülerInnen nach eigenen Angaben für alle anderen Aktivitäten – Zeit mit der Familie, Spielen mit Freunden, „Chillen“, „Zocken“ oder Hobbys. Dies sind Ergebnisse einer nicht-repräsentativen Umfrage von UNICEF und dem Deutschen Kinderhilfswerk (2012), an der sich rund 2.000 Mädchen und Jungen beteiligten und online einen Wochenplan ausfüllten.

siehe UNICEF-Pressemitteilung (19.09.2012)

40% der Lernzeit für die Schule geschieht außerhalb des Unterrichts

Für die Fächer Deutsch, Mathematik und Natur- wissenschaften haben 15jährige SchülerInnen im Jahr 2006 durchschnittlich 10,6 Zeitstunden Unterricht pro Woche gehabt. Dies waren allerdings nur 60% ihres gesamten wöchentlichen Zeitauf- wands. Denn hinzu kamen noch durchschnittlich 1,9 Stunden Zusatz- oder Förderunterricht sowie weitere 5,9 Stunden für individuelles Lernen. Mit insgesamt 18,4 Zeitstunden je Woche entspricht also die Lernzeit allein für diese drei Fächer dem zeitlichen Umfang einer Halbtagsstelle!

siehe 4. Bildungsbericht (2012), Kap. D2,  S. 77. – Anm.: Der Bildungsbericht konnte hierfür lediglich auf eine OECD-Sonder- auswertung der PISA-Studie 2006 zurückgreifen. Für Deutschland bezieht sich diese auf die Fächer Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften.

Jugendliche erleben den schulischen Alltag als Belastung

Jugendlichen ist bewusst, dass ihrer schulischen Ausbildung eine richtungsweisende Funktion zukommt. Laut der letzten Shell-Jugendstudie empfinden 21% der Jugendlichen ihren Alltag in der schulischen bzw. beruflichen Ausbildung als stressig und sehr belastend, 55% bezeichnen ihn als etwas belastend. Vor allem GymnasiastInnen und Studierende berichten deutlich häufiger von einem stressigen Alltag.

siehe Shell-Studie „Jugend 2010“, S. 110

SchülerInnen von G8-Gymnasien oder Ganztagsschulen engagieren sich weniger ehrenamtlich

52% der G9-SchülerInnen übernehmen freiwillige Aufgaben und Tätigkeiten in einem Verein, einem Projekt oder einer Gruppe – aber nur 43% der G8-SchülerInnen. (Dabei ist es ganz gleich, ob ihr G8-Gymnasium eine Halbtagsschule oder eine Ganztagsschule ist.) Ebenso deutlich wird es im Vergleich von SchülerInnen einer Halbtags- und denen einer Ganztagsschule (unabhängig von Hauptschule, Realschule, Gymnasium): 39% der HalbtagsschülerInnen sind ehrenamtlich aktiv, aber nur 29% der GanztagsschülerInnen. Dies zeigt: Die Abnahme von frei verfügbaren Zeiten und eine intensiver werdende Schule führen bei Jugendlichen zu weniger ehrenamtlichem Engagement.

siehe 3. Bildungsbericht (2010), Kap. D5, S. 81.

Jugendliche erlernen im Ehrenamt wichtige Fähigkeiten

60% der ehrenamtlich tätigen Jugendlichen sagen, dass sie durch ihr freiwilliges Engagement in hohem bzw. sehr hohem Umfang Fähigkeiten erworben haben, die ihnen wichtig sind. Beispielsweise gut mit Menschen umgehen können, hohe Einsatzbereit- schaft zeigen, belastbar sein, Führungsqualitäten haben. In ihrem Engagement wird eine Vielzahl von Ihnen gut begleitet. Für 67% der Ehrenamtlichen stehen fachlich und pädagogisch Ansprechpartner- Innen bereit, von denen 52% sogar hauptamtlich beschäftigt sind. Darüber hinaus haben 44% der Jugendlichen während ihres Engagements mindestens einmal an einem Weiterbildungskurs teilgenommen.

siehe 3. Bildungsbericht (2010), Kap. D5, S. 82.

Kinder- und Jugendverbände machen Bildung

Sie verstehen Bildung als umfassenden Prozess. Bildung soll jungen Menschen dazu verhelfen, ihre Potenziale zu entwickeln, zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Und sie ist die Grundlage, um unsere Gesellschaft mitgestalten zu können. Lernorte außerhalb der Schule sind für eine eigenverantwortliche und selbstbestimmte Gestal- tung des Lebens oder des Berufsweges unerlässlich. Kinder- und Jugendverbände sind dafür wichtige Orte: Denn in ihnen machen Kinder und Jugendliche informell Lernerfahrungen; zudem werden ihnen vielfältige non-formale Bildungsmöglichkeiten geboten. Die Grundprinzipien der Kinder- und Jugendverbandsarbeit prägen dabei auch die Inhalte und Methoden der Bildung: Freiwilligkeit der Teilnahme, Selbstbestimmtheit und Selbstorga- nisation, Ehrenamtlichkeit sowie Partizipation. Bildung in den Verbänden orientiert sich an den Interessen und Bedürfnissen der  Kinder  und  Jugendlichen.

vgl. „Jugendverbände machen Bildung – und noch viel mehr“ (Positionspapier des Deutschen Bundesjugendring, 2012).

Und dann wäre da noch… das Kinderrecht auf Freizeit und Erholung!

Alle Kinder und Jugendliche haben ein festge- schriebenes Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.“

siehe Art. 31, UN-Kinderrechtskonvention